Mercedes 280 SL Kaufberatung:
Der unterschätzte Sechszylinder

Mitte der 1970er Jahre stand Mercedes vor einer ungemütlichen Frage: Wer sollte sich nach der Ölkrise noch einen offenen V8 leisten wollen? Die Antwort kam aus Stuttgart in Form eines Reihensechszylinders mit zwei obenliegenden Nockenwellen, einem der modernsten Aggregate, die das Werk zu dieser Zeit zu bieten hatte.
Im Mercedes 280 SL bekam der R107 dadurch eine zweite, leisere Identität, die lange im Schatten der V8-Versionen stand. Zu Unrecht, denn der M110 passt zum Charakter des SL besser, als viele Achtzylinder-Käufer wahrhaben wollen. Wer den Schlüssel dreht und den Sechszylinder im Leerlauf schnurren hört, versteht schnell, dass dieser Wagen nicht für Eilige gebaut wurde, sondern für Fahrer, die das Reisen wieder als Selbstzweck begreifen.
Heute, da gepflegte R107 spürbar teurer geworden sind, rückt der Mercedes 280 SL erneut in den Fokus. Diese Mercedes 280 SL Kaufberatung zeigt, was den Sechszylinder ausmacht, wo seine Stärken liegen und wo seine Schwächen.

Mercedes 280 SL Kaufberatung: das Wichtigste im Überblick

Der Mercedes 280 SL war von 1974 bis 1985 die einzige Sechszylinder-Variante in der R107-Baureihe und damit das Modell für Käufer, die den großen offenen Mercedes ohne V8 wollten.

In Deutschland und Europa war er deutlich verbreiteter als auf den ersten Blick erwartet, weil er steuerlich günstiger lag und im Alltag weniger gefräßig war als die Achtzylinder. Mit 25.436 gebauten Exemplaren war der 280 SL kein Nischenmodell.
Sein Charakter unterscheidet sich spürbar vom 450 oder 500 SL: leichter im Vorderwagen, drehfreudiger, akustisch feiner. Wer den R107 als reinen Cruiser sieht, wird mit dem Mercedes 280 SL erst auf den zweiten Blick warm. Wer offene Reisewagen mit kultiviertem Antrieb mag, findet in ihm möglicherweise die ausgewogenste Variante der gesamten Baureihe.

Marktpreise und Wertentwicklung

Mercedes 280 SL Preise

Wer einen Mercedes-Benz 280SL kaufen möchte, trifft auf einen breit gefächerten Markt, der vom überholungsbedürftigen Liebhaberobjekt bis zum dokumentierten Sammlerstück reicht:

  • Sanierungsbedürftige Fahrzeuge: etwa 12.000 bis 18.000 Euro, häufig mit Rost, schwachem Verdeck oder unklarer Historie
  • Solide, fahrbereite Exemplare: etwa 22.000 bis 32.000 Euro, mit ordentlichem Pflegezustand und nachvollziehbarer Wartung
  • Gut gepflegte Fahrzeuge mit Historie: etwa 35.000 bis 45.000 Euro, mit Scheckheft, Hardtop und originaler Substanz
  • Top-Exemplare: ab etwa 50.000 Euro, mit lückenloser Dokumentation, geringer Laufleistung und originaler Erstausstattung

Mercedes 280 SL Preisentwicklung seit 2015

Wer heute eine Mercedes 280 SL Kaufberatung liest, blickt auf einen Markt, der sich in den letzten zehn Jahren spürbar gewandelt hat: Der 280 SL hat den Sprung vom günstigen Einstieg in die R107-Welt zum etablierten Klassiker vollzogen. 2015 waren brauchbare Fahrzeuge noch im Bereich um 10.000 Euro zu finden, heute liegt das gleiche Preissegment bei deutlich gestiegenen Anforderungen an den Zustand. Die V8-Versionen haben preislich stärker zugelegt, der Mercedes-Benz 280 SL ist daher heute eine Art Vernunftalternative innerhalb der Baureihe. Sein Wert dürfte sich stabil entwickeln, solange das Fahrzeug technisch in Ordnung ist und keine größeren Karosseriearbeiten anstehen.

Besonders gefragte Varianten

Innerhalb des Mercedes 280 SL ist die Spreizung weniger groß als bei den V8. Gefragt sind vor allem späte Exemplare aus den letzten Baujahren mit optionalem ABS und gegebenenfalls Fahrerairbag. Die umfassend modellgepflegte Schlussphase der R107-Baureihe gehört allerdings bereits zum Nachfolger 300 SL und nicht mehr zum 280 SL.
Ebenfalls beliebt sind Fahrzeuge in zurückhaltenden Farben wie Anthrazit, Mittelrot oder klassischen Beigetönen mit hellem Lederinterieur.
Manuell geschaltete 280 SL sind im heutigen Marktangebot deutlich seltener als die Automatikversionen, da der Großteil der Käufer in den 1970er und 1980er Jahren die Automatik bestellt hat. Gut erhaltene Fünfgang-Handschalter erzielen bei Sammlern einen spürbaren Aufschlag.

Besonderheiten des Mercedes 280 SL Baujahr 1985

Wer einen Mercedes-Benz 280 SL Baujahr 1985 kaufen will, hat es mit dem letzten und zugleich ausgereiftesten Jahrgang dieser Modellreihe zu tun.
Der 280 SL lief bis August 1985 vom Band, danach folgte der 300 SL. Das macht 1985er Fahrzeuge zu den technisch ausgereiftesten 280 SL der gesamten Bauzeit. Sie kombinieren alle technischen Verbesserungen der gesamten Bauzeit: 185 PS mit erhöhter Verdichtung, Viergang-Automatik, optionales ABS und Airbag. Gleichzeitig sind sie aufgrund des kurzen Produktionszeitraums dieses letzten Jahrgangs etwas seltener als 280 SL aus den frühen 1980ern.

Mercedes 280 SL Kaufberatung: worauf es beim Kauf wirklich ankommt

Historie, Dokumentation, Scheckheft

Im Zentrum einer seriösen Mercedes 280 SL Kaufberatung steht die Historie des Fahrzeugs. Beim Mercedes 280 SL ist die Dokumentation nämlich oft entscheidender als beim V8, weil viele Fahrzeuge über die Jahre durch mehrere Hände gingen und nicht immer fachgerecht gewartet wurden. Ein durchgehendes Scheckheft, Werkstattrechnungen, alte TÜV-Berichte und idealerweise der Fahrzeugbrief ab Erstzulassung geben Sicherheit.
Wer kann, sollte den letzten Vorbesitzer kennenlernen oder zumindest dessen Werkstatt benennen lassen. Standzeiten von mehreren Jahren sind beim 280 SL häufig und nicht automatisch ein Problem, müssen aber durch eine sorgfältige Inspektion vor der Übernahme abgesichert werden.

Checkliste beim Kauf

Eine Probefahrt mit kaltem Motor und anschließender Hebebühnenkontrolle ist beim Mercedes 280 SL Pflicht. Worauf zu achten ist:

  • Kaltstartverhalten und Leerlauf des Sechszylinders über mindestens fünfzehn Minuten beobachten
  • Ölfeuchten am Steuergehäuse, an der Ölwanne und an der Zylinderkopfdichtung prüfen
  • Karosseriedichtigkeit an den klassischen Schwachstellen kontrollieren, insbesondere unter den Schwellerverkleidungen
  • Kette und Kettenspanner akustisch beurteilen, vor allem bei höheren Laufleistungen
  • Funktion der Einspritzanlage durch sauberen Übergang von Leerlauf in Teillast prüfen
  • Zustand des Verdeckkastens und der Verdeckmechanik kontrollieren
  • Bremsen, Achsmanschetten und Querlenker auf Hebebühne sichten

Mercedes 280 SL Modelle und Motorisierungen

Karosserievarianten

Den Mercedes 280 SL gab es ausschließlich als zweitürigen Roadster mit Stoffverdeck. Das abnehmbare Hardtop war zunächst Sonderausstattung und wurde im Laufe der Bauzeit serienmäßig mitgeliefert. Eine geschlossene Coupé-Version existiert in dieser Bauform nicht, das entsprechende Pendant war der C107 als 280 SLC, der jedoch ein eigenständiges Fahrzeug mit verlängertem Radstand und festem Dach darstellt.

Motoren und Getriebe des Mercedes 280 SL

Motor

  • M110: Reihensechszylinder mit 2,8 Litern Hubraum, zwei obenliegende Nockenwellen
  • Frühe Fahrzeuge bis Februar 1976 mit elektronischer Bosch D-Jetronic, ab Februar 1976 mit mechanischer Bosch K-Jetronic
  • Leistung anfangs 185 PS, zwischen Februar 1976 und April 1978 reduziert auf 177 PS, danach durch erhöhte Verdichtung wieder 185 PS bis zum Produktionsende
  • Drehmoment auf mittlerem Niveau, ausgelegt auf gleichmäßige Entfaltung statt aggressiver Spitzenleistung

Getriebe
Serienmäßig wurde der Mercedes 280 SL mit einem manuellen Viergang-Getriebe ausgeliefert, ein Fünfgang-Schaltgetriebe war optional erhältlich und wurde später zur Standardlösung der manuellen Variante. Die Automatik war Aufpreis-Option und je nach Baujahr zunächst dreigängig, ab März 1980 viergängig.

Tatsächlich entschieden sich die meisten Käufer für die Automatik, die deshalb im heutigen Bestand klar überwiegt. Sie gilt als robust, schaltet aber nach modernen Maßstäben behäbig. Wer den Sechszylinder ausdrehen möchte, ist mit einer Handschaltversion deutlich besser bedient.

Seltene und besondere Mercedes 280 SL Versionen

Werkssondermodelle gab es beim Mercedes 280 SL nicht. Interessant für Sammler sind:

  • Späte Fahrzeuge der letzten Bauzeit mit kompletter Sicherheitsausstattung der Modellpflege Mitte der 1980er Jahre
  • Originale Fünfgang-Handschalter und gut erhaltene manuelle Fahrzeuge insgesamt, da der überwiegende Teil des Bestands über die Jahre als Automatik verkauft wurde
  • Fahrzeuge mit dokumentierter Erstauslieferung an Mercedes-Niederlassungen oder bekannten Vorbesitzern
  • Frühe Exemplare aus den ersten Baujahren mit der ursprünglichen Ausstattungslinie, die heute selten in originalem Zustand zu finden sind

Mercedes 280 SL Baureihen

Entwicklung und Marktstart

Der Mercedes 280 SL erschien 1974 als Ergänzung der R107-Familie, drei Jahre nach dem Marktstart der Baureihe mit den V8-Modellen. Hintergrund war die Ölkrise und der Wunsch vieler europäischer Kunden nach einer sparsameren SL-Variante. Der M110-Sechszylinder war zu diesem Zeitpunkt bereits in der oberen Mittelklasse etabliert und galt als technisch hochwertiger Motor. Im SL fügte er sich gut in das Konzept eines komfortablen Reisewagens ein, ohne den Grundcharakter des Fahrzeugs zu verändern.

Baujahre und Modellpflege

Während seiner Bauzeit erhielt der Mercedes 280 SL mehrere Überarbeitungen, die das Fahrzeug behutsam an den Stand der Technik anpassten. Wichtige Stationen waren:

  • der Wechsel von D-Jetronic auf K-Jetronic im Februar 1976,
  • die Anhebung der Verdichtung 1978 sowie
  • ab März 1980 die Verfügbarkeit der Viergang-Automatik
  • ab 1982 war ABS optional erhältlich; serienmäßig wurde es erst ab 1986 verbaut.
  • Ein Fahrerairbag war bei Mercedes ab 1982 als Sonderausstattung erhältlich.

Die große Modellpflege des R107 mit überarbeitetem Fahrwerk, neuer Innenausstattung und neuen Felgen erfolgte erst im Herbst 1985 und damit im Jahr des Produktionsendes des 280 SL, der bereits im August 1985 vom 300 SL abgelöst wurde. Die letzten 280 SL profitierten daher noch nicht von dieser Überarbeitung. Optisch blieb das Modell über die Jahre erkennbar dasselbe, was zur Wertbeständigkeit der Karosserieform beigetragen hat.

Produktionszahlen

Der Mercedes 280 SL gehört innerhalb der R107-Baureihe zu den häufiger gebauten Varianten, allerdings deutlich seltener als die V8-Modelle für den US-Markt. Für den europäischen Sammler bedeutet das: ein gut erhaltenes deutsches Auslieferungsfahrzeug ist heute schwerer zu finden als ein US-Reimport mit V8. Die Ersatzteilversorgung profitiert dennoch von der breiten technischen Verwandtschaft mit anderen Mercedes-Modellen der Epoche.

Typische Schwachstellen des Mercedes 280 SL

Karosserie und Roststellen

Eine ehrliche Mercedes-Benz 280SL Kaufberatung kommt an den klassischen Schwachstellen der Baureihe nicht vorbei. Die R107-Karosserie ist solide gebaut, aber kein rostfreier Klassiker. Beim Mercedes 280 SL sind vor allem folgende Bereiche kritisch:

  • Schweller, vor allem unter den außen aufgesetzten Schutzleisten
  • Wagenheberaufnahmen und der angrenzende Bodenbereich
  • Vorderwagen rund um die Scheinwerfertöpfe
  • Endspitzen an Kotflügeln und Schwellerenden
  • Heckklappenkante und der Übergang zum Verdeckkasten
  • Batterieboden und das Spritzblech in Längsrichtung
  • Bei Hardtop-Fahrzeugen: der Bereich um die Heckscheibe sowie die Hardtop-Aufnahmen selbst

Mercedes 280 SL Technik

Der M110-Motor gilt als langlebig, hat aber Eigenheiten, die beim Mercedes 280 SL häufiger auftreten als bei vielen anderen Klassikern. Die Steuerkette und ihre Spanner sind ein wiederkehrendes Thema, vor allem bei Fahrzeugen mit unregelmäßiger Wartung. Ein erhöhtes Kettenrasseln im Kaltstart oder hörbares Klappern im Leerlauf ist ein deutliches Warnsignal.

Die K-Jetronic-Einspritzanlage funktioniert bei korrekter Pflege zuverlässig, reagiert aber empfindlich auf lange Standzeiten, alterndes Benzin und falsche Einstellungen. Undichtigkeiten am Mengenteiler und gealterte Einspritzdüsen sind typische Reparaturen. Auch die Zylinderkopfdichtung sollte nicht vergessen werden, da der M110 bei Überhitzung empfindlicher reagiert als die robusten V8.

Elektrik

Bei einem Fahrzeug, das bis zu 50 Jahre alt sein kann, ist die Elektrik immer ein Punkt für sich. Beim Mercedes 280 SL betrifft das vor allem alternde Kabelisolierungen, korrodierte Masseverbindungen und müde Relais. Der Tempomat funktioniert oft nur eingeschränkt, ebenso die elektrischen Fensterheber und die Zentralverriegelung. Klimaanlagen sind bei vielen Fahrzeugen über die Jahre außer Betrieb genommen worden, eine Wiederinbetriebnahme samt Umrüstung auf zeitgemäßes Kältemittel ist mit nennenswerten Kosten verbunden.

Innenraum, Materialien, Ausstattung

Der Innenraum des Mercedes 280 SL ist im Vergleich zu modernen Fahrzeugen schlicht, aber hochwertig verarbeitet. Leder, MB-Tex und Holzapplikationen prägen das Bild. Mit den Jahren leiden vor allem die Sitzwangen der Fahrerseite, das Armaturenbrett kann bei längerer Sonneneinstrahlung Risse bekommen, und der Teppich nimmt im Bereich der Pedalerie sichtbar Schaden. Originale Lederinterieurs in gepflegtem Zustand sind ein wichtiger Werttreiber. Eine komplette Neubespannung ist möglich, aber kostspielig und sollte sich preislich im Kaufpreis widerspiegeln.

Mercedes 280 SL Verdeck und Dachsystem

Das manuell betätigte Stoffverdeck des Mercedes 280 SL ist solide konstruiert, leidet aber altersbedingt an undichten Nähten, brüchigen Heckscheiben und ausgeleierten Spannmechaniken. Ein neues Verdeck mit fachgerechtem Einbau bewegt sich im vierstelligen Bereich.

Das Hardtop ergänzt den 280 SL ideal, weil es die Geräuschdämmung deutlich verbessert und das Fahrzeug wintertauglich macht. Vor dem Kauf sollte geprüft werden, ob das Hardtop tatsächlich vorhanden ist, sauber sitzt und keine Korrosion an den Aufnahmepunkten zeigt. Ein passender Hardtop-Wagen oder ein Trolley schont das Bauteil bei Nichtgebrauch erheblich.

Sonstige bekannte Probleme

Neben den bekannten Themen tauchen beim Mercedes 280 SL gelegentlich Auffälligkeiten beim Automatikgetriebe auf, etwa harte Schaltvorgänge oder spätes Hochschalten unter Last. Ein Getriebeölwechsel mit Filter wird oft vernachlässigt und sollte spätestens nachgeholt werden, wenn die Historie unklar ist.

Auch die Hinterachse mit ihren Gummilagern altert, was sich in einem unruhigen Fahrverhalten bei Lastwechseln zeigt. Festsitzende Bremssättel nach langen Standzeiten sind ein wiederkehrendes Thema und gehören zur normalen Aufarbeitung eines länger stillgelegten Fahrzeugs.

Motor, Technik und Fahrverhalten

Motor und Antrieb

Der M110 ist ein Motor mit Charakter. Er klingt im oberen Drehzahlbereich anders als die V8 der Baureihe, kerniger, etwas rauer, aber mit erkennbarem Sechszylinder-Timbre. Im Alltag arbeitet er kultiviert und entwickelt seine Kraft gleichmäßig über das gesamte Drehzahlband. Spitzenleistung sucht man hier nicht, dafür liefert er eine ausgewogene Souveränität, die zum Reisewagencharakter des SL passt. In Verbindung mit der Viergang-Automatik wirkt der Antrieb gelassen, fast meditativ. Wer den Motor mit der Handschaltung kombiniert, bekommt einen anderen Wagen: lebendiger, drehfreudiger, mit deutlich mehr Beteiligung des Fahrers.

Fahrwerk und Bremsen

Die Fahrwerkskonstruktion teilt sich der Mercedes 280 SL mit den anderen R107-Modellen: vorne Doppelquerlenker, hinten eine Schräglenkerachse. Die Auslegung ist auf Komfort getrimmt, mit langen Federwegen und weichen Gummilagern. Der Mercedes 280 SL profitiert vom geringeren Gewicht über der Vorderachse und wirkt dadurch eine Spur agiler als die V8-Modelle, ohne sportlich zu sein. Die Bremsanlage ist innen belüftet vorne und arbeitet zuverlässig, sofern die Bremssättel regelmäßig bewegt werden. Lenkungsspiel und ausgeschlagene Spurstangenköpfe sind bei höheren Laufleistungen normal und gehören zur Routinewartung.

Fahrgefühl und Charakter des Mercedes 280 SL

Wer den Mercedes 280 SL erwartet wie einen kompromisslosen V8-SL, wird zunächst irritiert sein. Der Sechszylinder zieht weniger satt aus tiefen Drehzahlen, will leicht ausgedreht werden, belohnt das aber mit einem feineren akustischen Erlebnis und einer harmonischeren Vorderachse. Die Lenkung arbeitet servo-unterstützt und gefühlvoll, ohne präzise im modernen Sinne zu sein. Auf der Autobahn fühlt sich der Mercedes 280 SL zuhause, im Stadtverkehr verlangt die etwas träge Automatik etwas Gewöhnung. Mit offenem Verdeck, langer Geraden und mittlerer Drehzahl entwickelt der Wagen eine Stimmung, die schwer zu beschreiben ist und genau das ausmacht, was ein klassischer Reisewagen kann.

Verbrauch, Unterhaltskosten, Ersatzteile

Verbrauch des Mercedes 280 SL

Der Verbrauch des 280 SL liegt je nach Fahrweise und Streckenprofil meist zwischen elf und vierzehn Litern Super auf hundert Kilometer. In der Stadt kann er deutlich höher ausfallen, auf der Langstrecke bei moderater Geschwindigkeit auch knapp darunter. Im Vergleich zu den V8-Versionen ist der Sechszylinder spürbar genügsamer, ohne ein Sparmodell zu sein.

Unterhaltskosten

Mit H-Kennzeichen liegt die Kfz-Steuer in Deutschland pauschal bei 191,73 Euro pro Jahr. Die Hauptuntersuchung mit Abgasuntersuchung kostet je nach Bundesland etwa 160 bis 170 Euro (Stand: 2026).

Die Versicherung in der Oldtimer-Tarifklasse ist überschaubar und liegt bei vielen Anbietern zwischen 200 und 400 Euro im Jahr, abhängig von Wert und Nutzungsumfang. Für Wartung und kleinere Reparaturen sollte man je nach Zustand 800 bis 1.500 Euro pro Jahr einplanen, bei aufwändigeren Arbeiten an Einspritzung oder Steuerkette deutlich mehr.

Mercedes 280 SL Ersatzteile

Die Ersatzteilversorgung für den 280 SL ist gut. Mercedes-Benz Classic liefert viele Teile noch ab Werk, ergänzt durch ein dichtes Netz aus spezialisierten Händlern und Clubs. Verschleißteile, Bremsen, Motorelektrik und Standardkomponenten sind problemlos verfügbar. Aufwändiger wird es bei Karosserieblechen, originalen Innenraumstoffen und bei Komponenten der K-Jetronic, deren Überholung Spezialisten erfordert. Ein guter R107-Spezialist ist beim 280 SL kein Luxus, sondern Voraussetzung für eine wirtschaftliche Wartung.

Für wen ist der Mercedes 280 SL geeignet?

Der Mercedes 280 SL ist die richtige Wahl für Fahrer, die einen klassischen offenen Mercedes wollen, ohne in V8-Dimensionen denken zu müssen. Einsteiger in die Oldtimerwelt finden hier ein Fahrzeug mit überschaubarer Technik, guter Ersatzteilversorgung und einem Charakter, der sich im Alltag bewährt.

Sammler mit Sinn für Substanz schätzen den Sechszylinder als die kultivierte und etwas unterschätzte Variante der Baureihe. Wer ein lautes, kraftvolles Fahrerlebnis sucht, ist mit einem 500 oder 560 SL besser beraten. Wer Wert auf Laufruhe, ausgewogenes Fahrverhalten und realistische Unterhaltskosten legt, trifft mit dem 280 SL eine bewusste und vernünftige Entscheidung.

Alternativen zum Mercedes 280 SL

Wer über einen 280 SL nachdenkt, sollte auch diese Fahrzeuge in die engere Wahl ziehen:

  • Der Mercedes-Benz 380 SL bietet V8-Charakter bei vergleichbarer Effizienz und ist preislich oft auf ähnlichem Niveau angesiedelt.
  • Der BMW 635 CSi liefert sportlicheres Fahrverhalten mit Sechszylinder, jedoch als geschlossenes Coupé statt als Roadster.
  • Der Jaguar XJ-S Cabriolet bietet britischen Charakter und mehr Hubraum, ist in der Wartung aber anspruchsvoller.
  • Der Mercedes-Benz W113 Pagode steht als Vorgänger für eine puristischere Roadster-Erfahrung, ist heute jedoch deutlich kostspieliger.

Mercedes 280 SL: Lohnt sich der Kauf heute noch?

Am Ende einer gründlichen Mercedes 280 SL Kaufberatung steht meist die gleiche Erkenntnis: Der 280 SL ist heute eine der vernünftigsten Möglichkeiten, in einen R107 einzusteigen, sofern der Zustand stimmt.

Seine Stärken liegen in der ausgewogenen Mechanik, der guten Ersatzteilversorgung und einem Fahrgefühl, das den Charakter des klassischen SL ohne V8-Dramatik vermittelt.

Schwächen sind die typische Rostneigung der Baureihe, die wartungsintensive K-Jetronic und die Steuerkette, die bei vernachlässigten Fahrzeugen teuer werden kann. Ein gepflegter Mercedes 280 SL mit nachvollziehbarer Historie ist heute kein Schnäppchen mehr, aber eine wertstabile Anschaffung für Fahrer, die ihn wirklich nutzen wollen.

Fazit: Mercedes 280 SL Kaufberatung

Innerhalb der R107-Baureihe ist der Mercedes 280 SL nicht das prestigeträchtigste, aber vielleicht das stimmigste Modell. Beim Kauf entscheidet nicht der Preis, sondern die Qualität der Vorgeschichte.

Ein Fahrzeug mit dokumentierter Wartung, wenigen Vorbesitzern und intakter Karosseriebasis spielt langfristig in einer anderen Liga als ein optisch attraktives Auto mit unklarer Vergangenheit. Diese Mercedes 280 SL Kaufberatung hat klar gemacht: Der Sechszylinder belohnt gewissenhafte Pfleger und bestraft Improvisation, das gilt besonders für Steuerkette und Einspritzanlage.

Wer einen Mercedes-Benz 280 SL kaufen will und Geduld mitbringt, fährt am Ende einen Mercedes, der nicht nur seinen Wert hält, sondern jede Ausfahrt mit einem Charakter belohnt, den moderne Roadster so nicht mehr bieten.